Studie: Spender-Stammzellen aus Nabelschnurblut sind besser verträglich

Dienstag, 12. Juli 2011

Stammzellen sind die Hoffnungsträger für die regenerative Medizin. Doch vorerst bleiben sie noch eine Herausforderung für die Wissenschaft. Das (englischsprachige) Video des Transplant and Stem Cell Immunobiology Lab (TSI) der Universität Hamburg gibt einen Einblick in die aktuelle Forschung zur  Immunbiologie embryonaler und adulter Stammzellen aus Nabelschnurblut und Knochenmark.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Sonja Schrepfer geht u.a den Fragen nach, wie sich Stammzellen aus Nabelschnurblut und Knochenmark im Körper verhalten und welches therapeutische Potential sie haben. Die Antworten auf diese Fragen sind der Schlüssel zu ihrem klinischen Einsatz, glauben die Forscher.

„Man hofft, Stammzellen in vielen Bereichen wie Diabetes oder bei neurologischen Erkrankungen einsetzen zu können. Unsere Hoffnung im Herzzentrum ist, dass wir Stammzellen nach einem Herzinfarkt nutzen können. Wenn Gewebe im Herzen abstirbt und die Herzfunktion beeinträchtigt ist, möchten wir Stammzellen nutzen, damit das Herz sich wieder erholt,“ beschreibt Sonja Schrepfer das Ziel ihrer Forschung.

Welche Zellen tatsächlich eine klinische Zukunft haben, hängt nicht zuletzt von deren Verfügbarkeit und  Verträglichkeit ab. Eigene Stammzellen werden nicht abgestoßen – ein großer Vorteil. Doch sie sind für die Herzinfarkt-Patienten von heute nicht kurzfristig verfügbar. Keiner von ihnen hatte zu seiner Geburt die Möglichkeit, sein eigenes Nabelschnurblut einzulagern und eine Stammzellentnahme aus dem Knochenmark ist aufwändig und teuer. Das TSI-Team setzt deshalb auf Spenderzellen.

In einer immunologischen Vergleichsstudie prüfen Schrepfer und ihre Mitarbeiter mit Hilfe der molekularen Bildgebung, wie die Immunantwort eines Patienten auf Spenderstammzellen aus dem Knochenmark und aus der Nabelschnur ausfällt. “Die Ergebnisse haben uns überrascht. Wir haben herausgefunden, dass die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut eine geringere Immunreaktion beim Empfänger hervorrufen und länger überleben. Sie teilen sich besser und schütten Faktoren aus, die das Immunsystem positiv beeinflussen. Anders die Stammzellen aus dem Knochenmark,” so Schrepfer.

Adulte Stammzellen, die sich in spezielle Zelltypen differenzieren können, werden bereits in der Klinik genutzt, z.B. bei der Krebsbehandlung, um nach einer hochdosierten Chemotherapie die Blutbildung wieder auftzubauen. Das Team um Prof. Schrepfer sieht die Zukunft allerdings in der Verwendung von embryonalen Stammzellen, die sich in alle Zelltypen differenzieren können. Voraussetzung ist allerdings, dass die ausgelöste Immunantwort des Empfängers vermindert oder gar ausgeschaltet werden kann. Transplantationen von Spenderzellen ohne Abstoßungsreaktionen sind also noch eine Zukunftsvision, doch das TSI und andere Forschungseinrichtungen arbeiten daran.

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1 Kommentar »

  1. stammzelleneinlagerung

    Viel zu wenig ist in der öffentlichkeit zu dem Thema Stammzelleneinlagerung bekannt. Das ist umso erstaunlicher, als sich bei anderen Medizinischen Themen schnell große gesellschafliche Debatten entfachen. Ich finde es zumindest faszinierend, welchen technischen Fortschritt der Mensch macht und hoffe, daß auf diesem Feld weiter geforscht und aufgeklärt wird.

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